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Full text of "Zweckmässigkeit und anpassung"

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,S7; 



ZWECKMÄSSIGKEIT 



UND 



ANPASSUNG. 



AKADEMISCHE REDE 



VON 



Dr. J. W. SPENGEL, 

PROFESSOR DER ZOOLOGIE IN GIESSEN. 



JENA 

VERLAG VON GUSTAV FISCHER 
1898. 



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Die Wertung der Naturwissenschaften in den weiteren Kreisen 
des Volkes richtet sich meistens nach dem Masse, in welchem die 
Ergebnisse der Forschung im praktischen Leben angewendet werden 
und zur Besserung der Lebenslage der Menschen beitragen können. 
Als Liebig lehrte, die Chemie auf die Landwirtschaft anzuwenden, 
wurde die Chemie mit einem Schlage eine volkstümliche Wissenschaft, 
und ihr Ansehen wuchs noch gewaltiger, als durch die Darstellung 
der Theerfarbstoffe ein Feld erschlossen wurde, auf dem die Industrie 
einen wichtigen Schritt um den andern gethan hat. Und wahrhaft 
umwälzend sind die Wirkungen zu nennen, welche die Fortschritte 
auf dem Gebiete der Physik, namentlich in der Wärme- und der 
Elektricitätslehre, gemacht haben. Da ist es kein Wunder, dass diese 
Wissenschaften sich allgemeiner Hochschätzung und Bewunderung 
erfreuen, haben sie doch so mächtig in das gesamte Volksleben ein- 
gegriffen, dass man oftmals und mit unbestreitbarem Recht unsere 
Zeit als das Zeitalter der Naturwissenschaft bezeichnet hat. Im Ver- 
gleich hierzu sind diejenigen Zweige der Naturwissenschaft, welche 
sich mit der Erforschung der lebenden Natur erfassen, stark in den 
Hintergrund getreten und der allgemeinen Beachtung entgangen. 
Zwar hat es besonders der Botanik, der Scientia amabilis, und ge- 
wissen Teilen der Zoologie nie an Freunden gefehlt, allein der grossen 
Menge blieb ihr Wirken fremd; denn was sie an greifbarem Nutzen 
gewährten, wie etwa in neuerer Zeit die Botanik durch das Studium 
der Hefearten, die Zoologie durch das zahlreicher Schädlinge und 
Schmarotzer, deren Bekämpfung und Fernhaltung sie lehrte, das war 
doch im Verhältnis zu den Riesenthaten der sog. exacten Wissen- 
schaft bescheiden und geringfügig zu nennen. Und dennoch ist auch 



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von ihnen eine Einwirkung ausgegangen, welche sich jenen in gewisser 
Weise an die Seite stellen lässt, indem durch eine ihrer Lehren die 
Vorstellungen über das Verhältnis der lebenden Wesen zu einander 
und damit zugleich die Auffassung des Lebens überhaupt und vieler 
seiner Erscheinungen eine tief greifende Wandlung erfahren haben. 
Diese Lehre hat den Namen ihres Begründers zu einem der be- 
kanntesten von allen Naturforschern gemacht. Ich meine Charles 
Darwin. Man redet vielleicht heutigen Tages nicht mehr so viel 
von ihm wie in den ersten Jahren nach dem Erscheinen seines Buches, 
das unter dem unscheinbaren und bescheidenen Titel „Die Entstehung 
der Arten" den Keim zu einer grossen Umwälzung in sich trug und 
bald in den Mittelpunkt eines heissen, vielfach von beiden Seiten mit 
Leidenschaft und Schärfe geführten Kampfes gerückt wurde. Allein 
wir sind nicht nur weit davon entfernt, sagen zu können, das letzte 
Wort darüber wäre gesprochen, sei es zu Gunsten sei es zu Ungunsten 
der Lehre, nein, es wogt vielmehr der Kampf gerade um wichtige 
Teile der Lehre im engeren Kreise der Forscher heute mächtiger denn 
zuvor, die Widersacher schöpfen schon wieder Hoffnung, das Züng- 
lein der Wage möge sich schliesslich doch auf ihre Seite neigen, und 
bis über Sieg oder Sturz entschieden sein wird, werden noch manche 
Jahre dahingehen, Jahre emsigster und gründlichster Forscherarbeit, 
welche das Problem von allen Seiten in Anspruch nimmt und immer 
tiefer in dasselbe einzudringen sucht. In diese vielleicht noch sehr 
ferne Zukunft hinausblicken zu wollen, möchte ich nicht unternehmen, 
am wenigsten heute, wo ich nicht zu Fachgenossen spreche und mir 
nur eine kurze Frist zur Darlegung meiner Gedanken zur Verfügung 
steht. Ich möchte mich im Gegenteil zurückwenden und einige Be- 
trachtungen einer Reihe allgemein bekannter und scheinbar sehr 
einfacher Thatsachen widmen, in welchen mir der Kernpunkt der 
ganzen Lehre zu liegen scheint und welche dennoch von vielen An- 
hängern und Gegnern dieser Lehre nicht mit der nötigen Klarheit 
und Schärfe aufgefasst worden sind. 

Die Lehre, welche Darwin in seinem berühmten Buche auf- 
gestellt und in bewundernswerter Weise ausgeführt hat, besteht aus 
zwei Teilen, von denen der zweite den ersten zur notwendigen Vor- 
aussetzung hat, der erste aber von dem zweiten ziemlich unabhängig 
ist. Nur der letztere ist Darwin's eigenstes Eigentum, während er 



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in dem erstem eine stattliche Reihe von namhaften Vorgängern gehabt 
hat. Sie alle zwar sind weniger erfolgreich als Darwin gewesen, 
indem sie lehrten, die zur Zeit lebenden Tiere und Pflanzen seien 
nicht in ihrer jetzigen Gestalt als unveränderliche Wesen auf der 
Erde erschienen, sondern durch Umwandlung andrer im Laufe sehr 
langer Zeiten allmählich geworden, allein dass Darwin die „Ab- 
stammungs" oder „Umwandlungslehre" zum Siege geführt hat, das 
lag nicht an einer wesentlichen Verschiedenheit der Form, welche er 
derselben gab, sondern das war begründet in den grossen Fort- 
schritten, welche die Kenntnisse von den lebenden und von den ausge- 
storbenen Tieren und Pflanzen, von ihrem Bau und von ihrer Entwicklung 
inzwischen gemacht hatten. Durch diese war der Boden bereitet; das von 
Darwin's sorgsamer Hand in kundiger Weise gelegte Korn musste 
aufgehen, und es ist daraus seitdem ein mächtiger Baum hervorgewachsen, 
der kräftig weiter gedeiht und in dessen breitem Schatten Hunderte von 
thätigen Arbeitern das Feld der Tier- und Pflanzenkunde bebauen. 
Es liegt mir durchaus fern, Darwin's Verdienst auf diesem Gebiete 
als ein geringes darzustellen, weil er Vorgänger gehabt hat, welche 
schon das gleiche Ziel verfolgten wie er und zwar nicht etwa in der 
Weise eines unklaren und unsichern Tastens, sondern mit vollem, 
deutlichem Bewusstsein; im Gegenteil: er hat sich darin als ein ganzer, 
grosser Meister bewährt, der in dem Scharfblick, mit dem er von 
allen Seiten und oftmals aus verborgenen Winkeln Stützen für die 
Lehre heranzuziehen verstand, alle seine Vorgänger weit übertroffen 
und in den Schatten gestellt hat. Ich will auch gar nicht in Zweifel 
ziehen, dass das, was er in dieser Richtung geleistet hat, geeignet 
war, grosses Aufsehen zu erwecken. Hat man ihn doch auf Grund 
dessen als den Copernicus der biologischen Wissenschaft bezeichnet. 
Denn wie Copernicus die Erde aus dem Mittelpunkt der Welt in die 
Kreise der Planeten gerückt, so hat Darwin durch seine feste Be- 
gründung der Abstammungslehre den Menschen in die Reihe der 
gesamten lebenden Wesen gestellt, und ist doch auch das Urteil der 
Mitwelt in beiden Fällen ein ähnliches gewesen. Anfänglich mit 
heftigstem Widerspruch aufgenommen und wegen der vermeintlichen 
Bedrohung der Religion und Kirche gewaltig befeindet, ist Copernicus' 
Lehre im Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung siegreich 
durchgedrungen, und dass es der Abstammungslehre nicht anders 



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ergehen wird, das können wir schon heute mit Sicherheit voraus- 
sehen. 

Und dennoch liegt das, was dem Werke Darwin's einen in den 
biologischen Wissenschaften geradezu einzig dastehenden Einfluss 
verliehen, nicht in diesem ersten Teil seiner Lehre, sondern. in dem 
überaus kühnen und grossartigen Versuch, den er unternommen hat, 
die Ursachen vor, vielleicht sage ich richtiger, die treibenden 
Kräfte des grossen Umwandlungs- und Werdeprocesses aufzudecken. 
Zwar gilt dieser Versuch manchen Forschern als völlig verfehlt und 
mislungen, ja in gewissen Kreisen ist es sogar in neuerer Zeit Mode 
geworden, mit Geringschätzung und Hohn darauf hefab zu blicken 1 ). 
Und doch, selbst wenn der Erfolg schliesslich gegen Darwin sprechen 
sollte, müssten wir uns in Hochachtung und Bewunderung beugen 
vor dem gewaltigen Gedankengerüst, das er, gestützt auf einen seltnen 
Reichtum an Kenntnissen, geleitet von einem klar schauenden Ver- 
stand und begeistert von der reinsten Liebe zur Wahrheit, aufgebaut 
hat. Allein bis zu dieser Stunde hat sich die Wage, soweit ich zu 
beobachten vermag, noch nicht in verhängnisvoller Weise auf die 
Seite von Darwin's Gegner gesenkt; denn noch immer liegt in 
Darwin's Schale ein Gewicht von ungeheurer Schwere, gegen das 
alle Einwände sich als federleicht erweisen: Ist Darwin's Theorie 
richtig, so gewährt sie uns Verständnis für eine Erscheinung, 
die ausser ihr bis jetzt keine Theorie zu erklären vermocht hat, 
für eine Erscheinung, die nicht etwa hie und da uns im Thier- 
und Pflanzenreich als etwas Zufälliges und Gleichgültiges entgegen- 
tritt, sondern die geradezu als der wesentliche Charakterzug der 
ganzen lebenden Natur angesehen werden muss: Sie lässt uns die 
Zweckmässigkeit der Organisation als etwas mit natürlicher 
Notwendigkeit gewordenes erscheinen 2 ). Viele mögen von 
vorn herein die Ueberzeugung haben, dass dieses Problem für den 
Menschen überhaupt unlösbar sei. Allein auch sie werden es nicht 
bestreiten können, dass die Wissenschaft auch vor dem schwierigsten 
Problem nicht zurückweichen darf, ehe alle Versuche erschöpft sind, 
es zu lösen, und dass Darwin einen solchen Versuch gemacht hat, 
welcher der ernsthaftesten Erörterung fähig und wert ist und durch 
seine Erörterung allein der Wissenschaft reiche Ausbeute eingetragen 
hat und noch eintragen wird, das wird sein unvergängliches Ver- 



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dienst bleiben, selbst wenn der eingeschlagene Weg sich schliesslich 
als ein Irrweg erweisen sollte. . 

In magnis et voluisse sat est. 
Wir wollen es nun aber heute nicht unternehmen, die Strecke 
des Weges, die Darwim und seine Arbeitsgenossen zurückgelegt 
haben, zu verfolgen oder gar weiter fortzusetzen — er geht oft dur^h 
dichtes, dorniges Gestrüpp hindurch, durch das ich nicht wagen dürfte, 
die zu solch beschwerlicher Arbeit nicht gerüsteten Herren, geschweige 
denn die Damen zu führen — , wir wollen unsre Aufmerksamkeit nur 
auf den Ausgangspunkt des langen, beschwerlichen Weges richten, 
indem wir festzustellen versuchen, welcher Art die zu erklärende 
Zweckmässigkeit der Organisation der lebenden Wesen ist 8 ). Mancher 
wird die Frage aufwerfen: giebt es denn überhaupt einen Zweck? 
Ist es nicht ein für die exacte naturwissenschaftliche Forschung durch- 
aus unberechtigter Standpunkt, nach einem solchen zu fragen? Hat 
diese nicht vielmehr ausschliesslich festzustellen, was die Ursachen 
der beobachteten Erscheinungen und was die Wirkungen der erkannten ' 
Ursachen sind? Das steht ja doch in den im besondern Sinne als 
exacte bezeichneten Naturwissenschaften unbestritten fest. Was würde 
man von einem Chemiker sagen, der fragte, was für einen Zweck 
hat es, dass Kupfervitriol blau, chromsaures Blei gelb ist, oder von 
einem Mineralogen, der fragte, zu welchem Zweck das Kupfervitriol 
nach dem triklinen System kristallisirt, das Eisenvitriol nach dem 
monoklinen, oder zu dem Physiker, der nach dem Zweck der ver- 
schiedenen Leitungsfähigkeit der Metalle für Elektricität oder für Wärme 
oder des verschiedenen Lichtbrechungs Vermögens verschiedner Körper 
fragte. Ist eine solche Frage nicht ebenso unberechtigt in der Zoologie 
oder in der Botanik? Ist es nicht ein Zeichen, dass diese Wissen- 
schaften noch auf einer niedern Entwicklungsstufe stehen, welche die 
„exacten" Naturwissenschaften längst überwunden haben? Werden 
sie nicht erst dann wirklich in die Reihe der exacten Wissenschaften 
eintreten, wenn auch in ihnen nur von Ursachen und Wirkungen und 
nicht mehr von Zwecken die Rede sein wird? Viele Naturforscher 
werden diese Frage mit „ja" beantworten, und auch ich wage es 
nicht, mich ihnen mit einem reinen „nein" entgegen zu stellen. Es 
ist nicht nur recht wohl denkbar, sondern keineswegs unwahrscheinlich, 
dass die biologischen Wissenschaften im weitern Fortgang der 



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-— 8 

Forschung Ursachen und Wirkungen erkennen und nicht mehr nach 
Zwecken fragen werden, wo sie es jetzt thun, und wie weit sie darin 
kommen werden, das mag kein Mensch heute voraussagen. Die 
Botanik scheint in dieser Richtung schon weiter fortgeschritten zu 
sein als die Zoologie. Allein vielleicht ist doch dieser Fortschritt 
mehr scheinbar als wirklich und im Grunde nur ein Aufdruck der 
Thatsache, dass bei den Pflanzen die Zweckmässigkeit der Organisation 
schwerer zu erkennen als, wenigstens in einer sehr grossen Zahl von 
Fällen, bei den Tieren. Wenn aber auch die Zurückführung aller 
Erscheinungen des Lebens auf bewirkende Ursachen als das letzte 
Ziel der biologischen Forschung hingestellt werden muss, so kann es 
doch keinem Zweifel unterliegen, dass dieses Ziel auf keinem andern 
Wege erreicht werden kann, als durch das gründlichste Studium der 
zweckmässigen Einrichtungen in der Organisation. Gewiss ist die 
Construction einer unsrer modernen complicirten Maschinen, einer 
Nähmaschine oder einer Locomotive, nur auf Grund der genauesten 
Kenntnis zahlloser Ursachen und ihrer Wirkungen möglich, allein die 
genaueste Kenntnis dieser wird nicht im Stande sein, uns zu einem 
Verständnis derselben zu führen, so lange wir nicht den Zweck sowohl 
der ganzen Maschine wie ihrer Teile kennen, so lange wir nicht 
wissen, dass die eine zum nähen und die andere zum Lasten ziehen 
dienen soll, dass die Räder der Locomotive in Bewegung gesetzt 
werden sollen durch sich expandirenden Dampf, der seinerseits durch 
Heizung aus dem Wasser im Kessel erzeugt werden muss. Vergleich- 
bar solchen Maschinen, die aber nicht von Menschenhand gebildet, 
sondern für den Beobachter so gut wie fertig vom Himmel gefallen 
sind, sind die Tiere und die Pflanzen, und ehe wir bei ihnen über- 
haupt anfangen können, nach den Ursachen zu fragen, müssen wir 
uns notwendig zunächst einmal an ein gründliches Studium der Zweck- 
mässigkeit machen, und von der Lösung dieser Aufgabe sind wir 
noch ungeheuer weit entfernt. Ich will im Augenblick gar nicht davon 
reden, dass die Ursachen, die der Bildung der zweckmässigen 
Organisation zu Grunde liegen, sicher nicht einfache, sondern nahezu 
unfassbar complicirte sind, der Art, dass jede Ursache, die wir fest- 
zustellen vermögen, sich ihrerseits wieder darstellt als eine Wirkung 
von andern Ursachen, die im Laufe der Zeiten unter beständig sich 
ändernden Bedingungen zur Geltung gekommen sind. Denn das ist 



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eine notwendige Folge der durch die Descendenz, den ersten Teil der 
ÜARwiN'schen Lehre, bewiesenen zeitlichen Entwickelung. Die 
Tier- und Pflanzenwelt hat eine Geschichte, und zwar eine Geschichte 
von ausserordentlich langer Dauer, und angesichts dieser Erwägungen 
erscheint allerdings die Hoffnung, dass die Forschung auf diesem 
Gebiete wirklich einmal bis zu den währen wirkenden Ursachen vor- 
dringen wird, doch als fast verschwindend gering. 

Allerdings fehlt es nicht an Versuchen, diese ungeheuren Schwierig- 
keiten aus dem Wege zu räumen. Indessen bei ihnen allen scheint 
mir Goethe's Wort zu gelten: „Wo die Begriffe fehlen, da stellt 
zur rechten Zeit ein Wort sich ein". Dieses Wort heisst „Anpassung". 
Man hat behauptet, den Organismen komme die Fähigkeit zu, sich 
den Bedingungen, welche die Umgebung an sie stellt, anzupassen, 
und so die Veränderungen in der Umgebung als die Ursachen der 
Veränderung der Organisation hingestellt. Diese Lehre ist in der 
consequentesten, aber auch einseitigsten Weise von Haeckel auf- 
gestellt und durchgeführt worden. Nach Haeckel sind zwei Factoren 
für die allmähliche Umbildung der lebenden Wesen massgebend ge- 
wesen, nämlich die Vererbung, d. h. die Uebertragung der den 
Tieren und Pflanzen eignen Organisation auf die Nachkommen, und 
die Anpassung, d. h. die Fähigkeit der Individuen, sich den von 
der Umgebung an sie gestellten Lebensbedingungen entsprechend zu 
verändern, und Haeckel geht so weit, zu behaupten, dass dadurch 
die Umwandlung der Organismen im Laufe der Zeiten causal, nach 
ihren Ursachen, erklärt sei. Dagegen ist von Anfang an viel Wider- 
spruch erhoben worden, und es ist wohl zweifelhaft, ob diese Auf- 
fassung auf Seiten der ernsten Wissenschaft jemals Anhänger gehabt 
hat. Allein auch ganz abgesehen von dieser zum mindesten über- 
triebenen Wertung der angeblichen Erklärung bietet Haeckel's 
Darstellung von den Triebkräften der Entwicklung Angriffspunkte, 
welche für sie verhängnisvoll sein müssen, und diese liegen in 
Haeckel's Auffassung des Begriffs der Anpassung. Haeckel 
definitirt die Anpassung als die „Thatsache, dass der Organismus in 
Folge von Einwirkungen der umgebenden Aussenwelt gewisse neue 
Eigentümlichkeiten in seiner Lebensfähigkeit, Mischung und Form 
annimmt, welche er nicht von seinen Eltern ererbt hat", in den 
Anwendungen aber, die er von diesem Begriff macht, und in den 



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Anpassungsgesetzen, die er aufstellt, zeigt sich überall, dass er unter 
Anpassung eine Fähigkeit der Organismen versteht, sich den 
Einwirkungen der Aussenwelt in activer Weise anzupassen ; er geht 
eben von der Vorstellung einer den Organismen innewohnenden 
Anpassungsfähigkeit aus und gelangt so dazu, sich unter Anpassung 
nichts anderes zu denken als die Fähigkeit, sich zu verändern 8a ), nicht 
nur in Uebereinstimmung mit den Bedingungen der Aussenwelt, sondern 
überhaupt, in irgend einer Weise und aus vielerlei unbekannten, nicht 
näher nachweisbaren Ursachen. Dass der Begriff der Anpassung in 
diesser Auffassung als Erklärungsgrund 4 ) durchaus wertlos ist, ist 
mehrfach nachgewiesen worden. Allein daraus ergiebt sich nicht, 
dass dem Begriff der Anpassung in einem andern Sinne nicht eine 
Bedeutung und selbst eine hohe zukommen kann. Thatsächlich ist 
derselbe in den biologischen Wissenschaften absolut nicht zu ent- 
behren; man stösst eben auf Schritt und Tritt auf Thatsachen, für 
welche die Sprache uns kaum einen andern Ausdruck zur Verfügung 
stellt, und auf deren Wortschatz ist die Wissenschaft angewiesen, 
nicht nur wenn es gilt, sich allgemein verständlich auszudrücken, 
sondern selbst, um sich im engern Kreise der gelehrten Forscher zu 
verständigen. Allerdings ist es dabei nicht immer zu vermeiden, dass 
im Sprachgebrauch der Wissenschaft ein aus der Umgangssprache 
entlehntes Wort eine gewisse Einschränkung seines Sinnes, gelegentlich 
selbst eine Umprägung erleidet und dass hieraus die Gefahr von 
Missverständnissen entspringt, der man in manchen Fällen dadurch 
zu begegnen gesucht und gewusst hat, dass man an die Stelle eines 
misverständlichen Worts der lebenden Sprache ein aus einer der 
ausgestorbenen hergeleitetes Fremdwort gesetzt hat. 

Wollen wir uns über den Begriff der Anpassung Rechenschaft 
geben, so müssen wir zunächst von der Entstehung dessen, was 
wir in der lebenden Natur als etwas angepasstes beobachten und 
damit gerade von dem, was für Haeckel den Ausgangspunkt bildet, 
ganz absehen, nämlich von der Veränderung. Wir müssen ausgehen 
von der Beobachtung der Thatsache, dass Tiere und Pflanzen an die 
Bedingungen der Aussenwelt angepasst sind, diesen entsprechen, 
und damit lernen wir in der Anpassung zunächst nicht einen Vor- 
gang, sondern einen Zustand erblicken, und es wird die Aufgabe 
späterer Betrachtung, festzustellen, durch welche Vorgänge und event. 



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II 

durch welche Ursachen dieser Zustand geworden ist. Das scheint 
nun zwar dem in der Umgangssprache gebräuchlichen Sinne des 
Wortes durchaus zu widersprechen. Wir gebrauchen das Wort an- 
passen als ein transitives Verbum, das eine Handlung bezeichnet, 
etwa die Handlung eines Schneiders, der einem Menschen ein schlecht 
sitzendes Kleidungsstück anpasst. Dadurch aber wird dieses nunmehr 
zu einem angepassten. Gegenüber den Organismen, die nicht Gebilde 
von Menschenhand sind, können wir zunächst nur beobachten, dass 
ihre Eigenschaften genau in diesem Sinne angepasste sind; ob und 
wodurch sie es geworden sind, das bleibt späterer Untersuchung 
vorbehalten. Ich darf das vielleicht an einigen Beispielen erläutern. 
Tausendfältig machen wir die Beobachtung, dass Tiere in Bezug auf 
ihre Färbung der Umgebung angepasst sind, so wenn wir finden, 
dass Tiere, die in der Sandwüste leben, von sandgelber, solche, die 
in Eis- und Schneeregionen leben, von weisser Farbe sind. Bei der 
Erforschung der grössten Tiefen des Meeres, in welche nicht die 
Spur eines Sonnenstrahles mehr dringen kann, demnach absolute 
Finsternis herrscht, hat man Fische und Krebse entdeckt, die diesen 
eigenartigen Verhältnissen angepasst sind, indem sie Organe besitzen, 
mit denen sie selbst ihre nächste Umgebung beleuchten können, Leucht- 
organe. Es giebt grosse Tierclassen, deren Angehörige ausschliess- 
lich im Meerwasser zu leben vermögen und schon bei geringer Ver- 
minderung des Salzgehaltes zu Grunde gehen; einzelne Vertreter 
dieser Classen aber haben die Fähigkeit, im Süsswasser zu leben, 
sind dem Aufenthalt in demselben nicht nur insofern angepasst, als 
ihnen der mangelnde Salzgehalt nicht schadet, im Gegenteil ihnen 
allein zuträglich ist, sondern auch darin, dass sie allen andern Eigen- 
tümlichkeiten dieses Mediums gerecht zu werden im Stande sind, dass 
sie z. B. das Austrocknen des Gewässers oder das Ausfrieren des- 
selben zu ertragen vermögen, sei es an ihrem eignen Leibe, sei es, 
indem sie Eier erzeugen, welche gegen diese schädigenden Ein- 
wirkungen geschützt sind. Die ganze Organisation der Vögel ist 
eine Kette von Zügen, in denen diese Tiere an die ihnen eigene Art der 
Ortsbewegung, an den Flug, angepasst sind, nicht nur die Bekleidung 
des Körpers mit Federn und die besondere Gestalt der vorderen Glied- 
massen, sondern auch die Länge und Beweglichkeit des Halses, die 
Ausstattung des Kopfes mit einem Schnabel, die Bekleidung der grossen 



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Eier mit harten Schalen und die ungewöhnliche Beschaffenheit des 
Beckens, welche die Ablage so mächtiger harter Eier gestattet. In 
allen diesen und Tausenden von andern Fällen beobachten wir die 
Anpassungen als einen Zustand, über dessen Entstehung 
aber damit noch nicht das geringste ausgesagt ist. Dass auch die 
Anpassungen geworden sind, wird allerdings für denjenigen, der 
die Abstammungslehre als wohl begründet ansieht, feststehen. Allein 
nur mit grösster Behutsamkeit dürfen wir darüber hinausgehen zur 
Beantwortung der Frage nach dem Vorgange dieses Werdens und 
seinen Ursachen. In dieser Beziehung können wir indessen wohl eine 
Alternative stellen: die Ursachen müssen entweder in den Organismen 
oder ausserhalb derselben gelegen sein, und vielleicht ist es selbst 
möglich, darüber zu einer Entscheidung zu gelangen oder wenigstens 
einige Gründe für das eine oder für das andere beizubringen. 

Indem wir es versuchen, an diese Frage heranzutreten, wollen 
wir wieder von einem Sprachgebrauch ausgehen. In der deutschen 
Sprache wird das Wort „anpassen" am häufigsten als reflexives 
Verbum, „sich anpassen", gebraucht. Wir reden davon, dass wir 
uns veränderten Verhältnissen anpassen, dass vorhandene Ideen sich 
neuen Beobachtungen anpassen müssen, und ohne uns etwas tieferes 
dabei zu denken, erklären wir auch, die Walfische seien Säugetiere, 
welche sich dem Leben im Meere angepasst hätten. Es ist eine Eigen- 
tümlichkeit unsrer Muttersprache, dass sie sich mit einer gewissen 
Vorliebe dieser Ausdrucksform bedient, selbst da, wo von einer rück- 
bezüglichen Handlung gar nicht die Rede ist und sein kann. Wir 
lassen nicht nur im Frühling den Wald sich grün färben und nach 
schwerem Regen die Wolken sich verteilen, obwohl doch der Wind 
es thut, sondern wir sagen selbst, die Schulden des Reiches mehren 
sich in erschreckender Weise, der Kehricht häuft sich an, was er doch 
unzweifelhaft nicht thut; unzweifelhaft wird er angehäuft, wie die 
Schulden vermehrt werden, indem das Reich neue Anleihen aufnimmt. 
Wie steht es nun in dieser Hinsicht mit dem Ausdruck „sich anpassen" 
in seiner Anwendung auflebende Wesen? Kommt diesen thatsächlich 
eine Fähigkeit zu, sich handelnd, activ anzupassen 5 ), oder kann dieser 
Ausdruck nur im Sinne des oben erläuterten Sprachgebrauchs, 
einer passiven Veränderung, genommen werden? Oder sollte etwa 
noch eine dritte Auffassung möglich und keine jener beiden zu- 
treffend sein? 



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J 3 

Geht man von den Erfahrungen des menschlichen Lebens aus, 
so wird man unbedenklich die erste Frage bejahen, dass dem Organis- 
mus eine Fähigkeit innewohnt, sich activ anzupassen, und zwar nicht 
nur in Bezug auf seine geistigen Functionen, sondern auch in Bezug 
auf seine körperliche Organisation. Durch jede Uebung passt der 
Mensch seinen Körper den an diesen gestellten Anforderungen an, 
der Clavierspieler seine Hände, der Radfahrer seine Beine. Wir 
wissen durch genaue Untersuchungen, dass nicht nur die Muskeln, 
welche zu diesen Thätigkeiten in Anspruch genommen werden, stärker 
und umfangreicher werden, sondern dass auch die Gestalt der den 
Muskeln zum Ansatz dienenden Knochen sich ändert. Es kann auch 
thatsächlich keinem Zweifel unterliegen, dass ebenso bei vielen Tieren 
die Organisation durch die Thätigkeit der Körperteile beeinflusst und 
verändert wird. Man hat dies die functionell e Anpassung genannt. 
Eine andere Frage aber ist es, wie weit die Wirksamkeit dieser 
functionellen Anpassung sich erstreckt. Manche Forscher sind der 
Meinung, dass ihr eine sehr weittragende Bedeutung zukomme. Zu 
der Schwierigkeit, es zu entscheiden, kommt hinzu, dass es bis jetzt 
nicht gelungen ist, nachzuweisen, dass die durch functionelle An- 
passung entstandenen Veränderungen bei den Nachkommen erhalten 
bleiben. Doch ich will auf diese zur Zeit viel erörterte Frage, ob 
solche vom Individuum erworbene Eigenschaften vererbt werden 
können, hier nicht eingehen. Es ist auch nicht nötig. Denn noch 
sicherer als die Thatsache, dass durch die Thätigkeit eines Organs 
dessen Bau verändert werden kann, ist es festgestellt, dass es viele 
Anpassungen giebt, die unmöglich auf diese Weise entstanden sein 
können, weil sie sich an Körperteilen zeigen, die überhaupt eine 
Thätigkeit gar nicht ausüben. Das gilt z. B. von allen Anpassungen, 
die auf der Färbung der Tiere beruhen : ich habe vorhin von den 
sandfarbigen Wüstentieren, von den weissen Bewohnern von Eis- und 
Schneeregionen gesprochen; es ist undenkbar, dass sie diese ihre 
Färbung durch Uebung, durch irgend eine Thätigkeit erworben 
haben. Ebenso wenig kann der Mangel der Haare, dem die Walfische 
ihre für die Fortbewegung im Wasser so ungemein geeignete glatte 
Körperoberfläche verdanken, oder die Ausbildung einer gewaltigen 
Fettschicht in der Haut, durch die sowohl ihr specifisches Gewicht 
in einer für das Schwimmen höchst vorteilhaften Weise verringert 



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als auch ihren Besitzern ein vorzüglicher Schutz gegen den ihnen in 
den kalten nordischen Meeren drohenden Wärmeverlust gewährt wird, 
von einer Uebung hergeleitet werden. Und doch sind diese Eigen- 
schaften nur als Anpassungen an die äusseren Umstände zu verstehen. 
Nicht wesentlich anders steht es mit gewissen Organen, die eine in 
hohem Grade den Anforderungen des Lebens angepasste Gestalt 
aufweisen, diese aber erlangen, ehe sie in Thätigkeit treten und ohne 
dass eine Einwirkung ihrer späteren Verwendung auf die Entstehung 
der angepassten Form vorgestellt werden könnte. Ein schlagendes 
Beispiel dafür sind die Zähne der Wirbeltiere. Man kann sich nichts 
besser angepasstes denken als das zum Zermahlen von pflanzlichen 
Nahrungsteilen bestimmte Gebiss eines Pferdes oder das zum Zer- 
schneiden, Zerreissen und Zermalmen von Fleisch und Knochen be- 
stimmte eines Raubtieres, und doch bildet es sich nicht durch seine 
Thätigkeit dazu aus, sondern wird vielmehr durch diese allmählich 
immer ungeeigneter dazu. Die Zähne brechen in ganz vollendeter 
Gestalt hervor, ehe sie zur Verwendung kommen. Vielleicht sind ein 
besonders überzeugendes Beispiel hierfür die Giftzähne der Schlangen, 
welche von einem Canal durchbohrt sind, durch den das von einem 
andern Organ, der Giftdrüse, erzeugte Secret in die Wunde des 
Beutetieres eingeträufelt wird. Sie treten in völlig ausgebildeter Ge- 
stalt hervor, um schon nach wenigen Wochen — bei unsrer Kreuz- 
otter nach etwa 6 Wochen 6 ) — durch neue ersetzt zu werden. Und 
in ähnlicher Weise kann in zahllosen andern Fällen die Abhängigkeit 
der Anpassung von einer Uebung mit Sicherheit ausgeschlossen werden. 
Ist ein Tier ausschliesslich befähigt im Meerwasser zu leben, so 
kann es sich eben dem Aufenthalt im Süsswasser nicht activ anpassen; 
es müsste bei jedem Versuch unrettbar zu Grunde gehen, und völlig 
unverständlich würde es sein, dass die Fähigkeit, das Austrocknen 
und Gefrieren der Tümpel und kleinern Wasserläufe durch Erzeugung 
von hiergegen widerstandsfähigen Eiern zu überwinden, durch eine 
functionelle Anpassung entstanden sei. Ganz unzugänglich für eine 
solche Erklärung sind endlich die zahlreichen Fälle, in denen die 
Anpassung an besondere Lebensverhältnisse darin zum Ausdruck 
kommt, dass gewisse Organe verkümmert oder ganz geschwunden 
sind, wenn z. B. in lichtlosen Räumen, seien es Höhlen, seien es unter- 
irdische Gänge, seien es die ewig finstern Tiefen der Tiefsee, Tiere 



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ohne Augen oder mit nur rudimentären Augen leben, oder wenn es 
Schmetterlingsweibchen giebt, die keine Flügel oder nur Stummel von 
solchen besitzen, obwohl die Männchen mit wohlausgebildeten Flügel- 
organen ausgestattet sind und auch normalen Gebrauch von diesen 
machen. Man spricht in solchen von einer Verkümmerung durch 
Nicht-Gebrauch, und macht somit geradezu den Mangel der Thätig- 
keit zur Voraussetzung der beobachteten Anpassung. Denn unleug- 
bar fallen auch diese Erscheinungen unter den Begriff der Anpassung. 

Alle die Beispiele nun aber, welche ich Ihnen vorgeführt habe 
und deren Zahl ich leicht um viele vermehren könnte, die ich Ihnen vor- 
geführt habe, um Ihnen zu zeigen, dass es viele Anpassungen giebt, die 
nicht durch eine Thätigkeit oder Function zu Stande gekommen sein 
können, sie können auch nicht dadurch erklärt werden, dass die An- 
passung herbeigeführt ist, indem die Tiere auf passivem Wege durch die 
Einwirkung der äussern Umstände verändert worden sind. Ich werde 
das nicht im Einzelnen darzulegen brauchen. Offenbar kann z. B. die Ent- 
stehung der Fettschicht oder der Wegfall des Haarkleides der Walfische 
ebenso wenig durch die Einwirkung des Meerwassers auf diese Teile 
hervorgerufen werden wie durch Uebung, um so weniger als diese 
Eigenschaften zu einer Zeit ausgebildet werden, wo die Wale einer 
solchen Einwirkung noch gar nicht ausgesetzt sein können, nämlich 
vor der Geburt. Nicht anders steht es mit der Wüsten- und mit der 
Schneefärbung oder etwa mit so speciellen .Färbungsanpassungen, 
wie wir sie bei manchen Schmetterlingen beobachten, die mit zusammen- 
gefalteten Flügeln in geradezu täuschender Weise den welken Blättern 
gleichen, zwischen denen sie Schutz suchen, oder mit Gestaltungs- 
anpassungen, die bei vielen heuschreckenartigen Tieren sich finden 
und auf einer Aehnlichkeit dieser mit trocknen Zweigen beruhen. 

Ich möchte nicht so missverstanden werden, als wollte ich 
behaupten, es fände keine Einwirkung der äussern Umstände statt, 
durch welche die Erscheinung und bis zu gewissem Grade selbst 
die Organisation von Tieren und Pflanzen beeinflusst wird. Es ist 
längst bekannt, dass bei ungenügender Ernährung oder ungenügender 
Wärme viele nicht ihre normale Grösse erreichen, sowie dass es auch 
andere ausserhalb stehende Factoren giebt, durch welche diese und 
ähnliche Wirkungen herbeigeführt werden. Und es ist gerade der 
neueren Forschung durch Anwendung systematisch angestellter Ver- 



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suche gelungen, manche durchaus beständige und zum Teil recht 
complicirte Wirkungen äusserer Einflüsse nachzuweisen. Ja, ich nehme 
durchaus keinen Anstand zuzugeben, dass viele Eigenschaften an 
Tieren und Pflanzen immer und ausnahmslos nur auf solche Weise 
entstehen 8 ). Bleiben gewisse Einwirkungen während der Entwicklung 
eines Tieres aus oder werden sie durch andere ersetzt, so muss die Folge 
davon sein, dass das betreffende Individuum in gewissen Eigenschaften 
von andern seiner Art abweicht. Aber Anpassungen kommen auf solche 
Weise nicht zu Stande. Dies anzunehmen haben wir keinen Anhalt. 

Ist nun aber damit, dass wir diese beiden Erklärungen für die 
Entstehung von Anpassungen, durch actives Sich-anpassen und durch 
passives Angepasst-werden als unzulänglich und unzutreffend erkannt 
und zurückgewiesen haben, jede Möglichkeit einer Erklärung der doch 
so weit verbreiteten Thatsachen der Anpassung ausgeschlossen? 
Wir müssten diese Frage mit „nein" beantworten, wenn uns nicht 
Darwin durch seine Theorie eine Erklärung geboten hätte. 

Diese geht aus von einer kleinen Anzahl sicher festgestellter 
Thatsachenreihen, nämlich einerseits davon, dass alle Tierarten ohne 
Ausnahme eine Zahl von Nachkommen erzeugen, die viel grösser 
ist als die Zahl der Individuen dieser Art, die zur Fortpflanzung 
gelangen, dass also sehr zahlreiche Individuen sterben, ehe sie zur 
Erzeugung von Nachkommen gelangt sind. Andrerseits ist sicher, 
dass die Individuen einer Art niemals unter einander vollkommen 
gleich sind, mögen sie auch noch so grosse Aehnlichkeit zeigen, eine 
Aehnlichkeit, die übrigens in allen Fällen um so mehr verschwindet, 
je genauer man die Individuen mit einander vergleicht, derart, dass 
z. B. die Stücke einer Gänseherde, die für den Beobachter der 
gesamten Herde ungemein ähnlich erscheinen, doch so verschieden 
sind, das der Hirt jfcdes einzelne mit voller Sicherheit erkennt, oder 
dass die Japaner, die bei flüchtiger Bekanntschaft dem Europäer ^lle 
die gleiche Physiognomie zu haben scheinen, bei näherem Bekannt- 
werden ebenso grosse Mannichfaltigkeit darbieten wie etwa die 
Deutschen oder die Franzosen. 

Auf dieser sichern, ganz unbestreitbaren Beobachtungsgrundlage 
wirft Darwin nun die Frage auf, was darüber entscheide, welche 
von diesen in überreichlicher Zahl erzeugten unter einander ungleichen 
Individuen einer Art so lange am Leben bleiben, dass sie zur Fort- 



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pflanzung gelangen und ihre Eigenschaften durch Vererbung auf ihre 
Nachkommen übertragen können. Und die Antwort auf diese Frage 
entnimmt er wieder sicher feststehenden Beobachtungen. Ihm, der 
als praktischer Landwirt in einem Lande lebte, in welchem die Zucht 
der Haustiere es zu einer hohen Blüthe gebracht hatte, war es eine 
geläufige Thatsache, dass dem Züchter kein anderes Mittel zu Gebot 
steht, um seine Rassen zu verbessern und zu vervollkommnen, *als 
für die Zucht von Nachkommen solche Individuen auszuwählen, welche 
den Bedürfnissen des Züchters am vollkommensten entsprechen, d. h. 
diejenigen Individuen unter den vorhandenen, welche die vom Züchter 
bevorzugten Eigenschaften im höchsten Grade besitzen. Er wusste 
sehr gut, dass es keinen Erfolg haben würde, wenn man versuchen 
wollte, die Zucht von Rennpferden dadurch zu verbessern, dass man 
diese sich im Rennen recht fleissig üben Hesse, oder solche von 
Milchkühen, dass man sie möglichst stark und viel melkte, sondern 
dass dieser Erfolg einzig und allein auf dem Wege zu erreichen sei, 
dass man unter den besten Rennern und unter den besten Milchkühen 
die besten auswählte, um von ihnen Nachkommen zu ziehen. 

Diese Beobachtungen brachten ihn auf den Gedanken, ob es in 
der Natur nicht ähnlich sein möge, und so kam er zu seiner Theorie 
von einer in der Natur sich stetig vollziehenden Auslese, einer 
Sichtung 9 ) der in Ueberfluss erzeugten Individuen der Arten, indem 
•er die Hypothese aufstellte, dass unter diesen diejenigen vorzeitig, 
d. h. vor der Fortpflanzung, sterben, die in irgend einer Weise den 
Anforderungen, welche die Natur an sie stellt, nicht entsprechen, 
während diejenigen am Leben bleiben und ihre Eigenschaften auf die 
Nachkommen vererben, welche den „Kampf ums Leben", d. h. den 
Wettkampf um die Daseinsbedingungen, deswegen bestehen können, 
weil sie die dafür geeigneten Eigenschaften besitzen. Darwin drückte 
das durchaus zutreffend aus, indem er von einem Survival of the fittest, 
von einem „Ueberleben der Passendsten" sprach, im Gegensatz zu 
einer Ausmerzung der nicht Passenden, derjenigen Individuen, welche 
nicht im nötigen Masse mit Anpassungen ausgestattet seien. 

Hat er uns nun aber damit eine Erklärung dessen gegeben, was 
wir Anpassungen genannt haben ? Man mag vielleicht auf den ersten 
Blick gewiss sein, diese Frage zu verneinen, da ja für Darwin die 
Anpassung eine Voraussetzung seiner Theorie sei, die als solche 



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natürlich nicht durch die Theorie erklärt werden könne. Man hört 
diesen Einwand nicht selten, allein er beruht auf einer vollständigen 
Verkennung des Grundgedankens der Theorie, und diese Verkennung 
scheint mir hauptsächlich dadurch hervorgerufen zu sein, dass man 
geglaubt hat, die Anpassung als eine active oder passive denken zu 
müssen. Das habe ich vorhin als unberechtigt zurückgewiesen. Die 
Anpassung ist nach Darwin's Theorie nicht — wie Haeckel es 
in seiner völlig verfehlten Fassung derselben darstellt — eine der 
Ursachen der Artbildung, sondern eine Folge, eine Wirkung 
derselben. Die feststellbaren — natürlich an sich noch weiterer Er- 
klärung bedürftigen — Ursachen sind die Variation, d. h. die Ungleich- 
heiten unter den Individuen, einerseits und die Vererbung, d. h. die 
Uebertragung der Eigenschaften auf die Nachkommen, andrerseits, 
und indem von den ungleichen Individuen nur diejenigen zur Ver- 
erbung zugelassen werden, welche die im Kampf ums Dasein als 
geeignet, als passend sich erweisenden Variationen aufweisen, also 
durch einen sich im Laufe der Zeit vollziehenden Process der Aus- 
lese oder Sichtung, kommt die Anpassung zu Stande. Diese ist mithin 
nicht eine active oder eine passive, die Organisation passt sich nicht 
den äussern Umständen an und wird ebenso wenig durch die Wirkung 
dieser angepasst, sondern sie ist eine gewordene, das Ergebnis 
eines im Laufe der Erdgeschichte vollzogenen Umgestaltungsprocesses, 
der sich durch eine fortgesetzte Sichtung vollzieht, für welche die* 
Variation das Material liefert und in welcher die Vererbung das Mittel 
für die Erhaltung der Continuität ist. 

Ist diese Auffassung vom Wesen der Anpassung richtig — und sie 
ist, wie ich oben dargethan habe, die einzige bisher aufgestellte, welche 
mit den Thatsachen in Einklang steht — , so ist damit ein wichtiger 
Schritt zum Verständnis der organischen Natur gethan, dass wir eine 
Erscheinung als eine Anpassung erkennen, indem wir daraus schliessen 
dürfen, dass sie das Ergebnis eines Sichtungsprocesses .sind. Wir 
haben damit, soweit es zunächst möglich ist, eine Erklärung für ihr 
Dasein gefunden. Und dadurch erhält die Frage nach der Zweck- 
mässigkeit im Tier- und Pflanzenreich nicht nur eine erhöhte Berechtig- 
ung, sondern sie wird geradezu zu einer Aufgabe der Forschung. 
Es gilt, durch sorgfältige und umsichtige Untersuchung, durch Be- 
obachtung des Verhaltens der Tiere und Pflanzen in ihrem Leben 



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und ihrer Abhängigkeit von der Umgebung festzustellen, welche 
ihrer Eigenschaften Anpassungen darstellen, also geeignet sind, einen 
Organismus eine Leistung vollführen zu lassen, die ihp befähigt, einer 
Forderung , seiner Lebensbedingungen zu entsprechen, d. h. zweck- 
mässig sind. Diese Aufgabe ist noch lange nicht erfüllt. In einer 
grossen Zahl von Fällen vermögen wir die Zweckmässigkeit mit 
Sicherheit zu erkennen, in sehr vielen andern ist sie uns jedoch noch 
gänzlich verborgen. Gewiss aber ist es ein Irrtum, der die Wissen- 
schaft auf Abwege lenken muss und für den Fortschritt der Erkenntnis 
verhängnisvoll werden kann, wenn man alle diejenigen Eigenschaften, 
welche man gegenwärtig nicht als Anpassungen zu deuten vermag, 
als zwecklos und einer Erklärung auf diesem Wege unzugänglich 
betrachtet. 



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Anmerkungen. 



*) Gustav Wolff meint im Vorwort der soeben erschienenen Buchaus- 
gabe seiner „Beiträge zur Kritik der Darwinschen Lehre", (Leipzig, Georgi, 1898), 
es breche sich allmählich die Erkenntnis Bahn, dass es mit dem Darwinismus eine 
arge Täuschung gewesen sei, und man suche ihn „möglichst anständig wieder los- 
zuwerden oder auch möglichst unanständig, indem man z. B. thut, als 
habe es ihn nie gegeben". Stände es wirklich um die Begründung des Darwinismus 
so schlimm, wie Gustav Wolff u. a. glauben, so vermöchte ich nicht einzusehen, 
dass es unanständig sein sollte, ihn zu behandeln, als habe es ihn nie gegeben. 
Dagegen ist es leider nicht zu leugnen, dass die Form, in welcher über seine 
Berechtigung abgeurteilt wird, nicht selten das Mass dessen übersteigt, was in der 
wissenschaftlichen Kritik mit den Begriffen des Anstandes zu vereinigen ist. Ich 
meine damit weniger Gustav Wolff selbst, als Schriftsteller wie Haacke, der 
sich herausnimmt, vom „alten Kleinigkeitskrämer von Down" zu reden („Aus 
der Schöpfungs Werkstatt", Berlin 1897, P* 39) °der Dreyer, der sich den Witz 
erlaubt, zu erklären, „es wird nunmehr Zeit, dass sich die jung aufgewachsene 
Biologie von ihrer englischen Krankheit erhole", („Peneroplis", Leipzig 1897, P- io 7)- 

2 ) Gustav Wolff erkennt das Problem ganz richtig: „Es handelt sich 
nicht um die Frage nach dem grösseren oder kleineren Anteil, welcher neben 
anderen Faktoren dem Selektionsprinzip zur mechanischen Erklärung der organischen 
Zweckmässigkeit zugesprochen werden soll, sondern es handelt sich um die Frage, 
ob die Zweckmässigkeit mechanisch erklärt werden kann, bezw. um die Aner- 
kennung, dass bis jetzt alle diese Versuche gescheitert sind" („Beiträge", Vorwort 
p. IV), wenn wir nur das Wort „mechanisch" an beiden Stellen durch „natur- 
wissenschaftlich" ersetzen. 

8 ) Ich verweise auf die klaren und treffenden Darlegungen über „die 
Teleologie in der Auffassung der Organismenwelt" in Hugo Spitzer's „Bei- 
trägen zur Descendenztheorie und zur Methodologie der Naturwissenschaft" (Leip- 
zig, Brockhaus, 1886, p. 429—470). 

3a ) In der 1889 erschienenen 8. Aufl. seiner „Natürlichen Schöpfungs- 
geschichte" (p. 208) schreibt Haeckel geradezu: „Abänderung oder An- 
passung", „Unter Anpassung (Adaptatio) oder Abänderung (Variatio) verstehen 



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4 ) Siehe besonders Hugo Münsterberg, „Die Lehre von der natürlichen 
Anpassung in ihrer Entwickelung, Anwendung und Bedeutung". Leipzig, 1885. 

5 ) Welche Rolle die Anpassungsfähigkeit in diesem Sinne in Haeckel's 
Lehren spielt, habe ich bereits angedeutet. Besonders verweise ich noch auf die 
8. Aufl. der „Natürlichen Schöpfungsgeschichte", wo es p. 208 heisst: ,,Was nun 
die Erscheinung der Abänderung oder Anpassung im Allgemeinen betrifft, so 
müssen wir dieselbe als eine ganz allgemeine physiologische Grundeigen- 
schaft aller Organismen ohne Ausnahme hinstellen, als eine Lebensäusserung, 
welche von dem Begriffe des Organismus gar nicht zu trennen ist" ; ferner auf das 
Vorwort zur 4. Aufl. der „Anthropogenie" p. XXIII— XXIV. 

J. Kollmann (in: Biol. Centralbl. Bd. 5, 1886, p. 676) schreibt: „Was ist 
nach allgemeiner Anschauung „Anpassung" anderes, als die Erwerbung einer 
bestimmten Eigenschaft während des individuellen Lebens unter dem Druck 
äusserer Agenden? Individuen sind es, die sich anpassen, deren Organismus 
sich entsprechend umändert, eine neue Eigenschaft erwirbt. Nur so wird ein 
neuer Charakter erworben, so denkt sich der Darwinismus die An- 
passung". (Vgl. die treffende Entgegnung von A. Weismann in : Biol. 
Centralbl. Bd. 6, 1887, p. 34). 

•) Siehe L. Kathariner, Ueber Bildung und Ersatz der Giftzähne bei 
Giftschlangen, in: Zoolog. Jahrb. Bd. 10, Abth. f. Anat. u. Ontog., 1897, p. 84. 

7 ) Besonders lehrreich sind diejenigen Fälle, in welchen ein und dasselbe Tier- 
individuum zwei Arten von Eiern erzeugt, Spontan- oder Subitaneier (sog. Sommer- 
eier), welche sich sogleich entwickeln, und Latenz- oder Dauereier (sog. Wintereier), 
in denen die Entwicklung zum Stillstande kommt und erst nach einer längern 
oder kürzern Latenzperiode wieder anhebt und zu Ende gefuhrt wird (Daphniden, 
Mesostomum ehrender gi); in solchen Fällen ist die Beschaffenheit der Eizelle sowie 
ihrer Hüllen stets verschieden, obwohl die aus den beiden Arten von Eiern hervor- 
gehenden Jungen keine Unterschiede aufweisen. 

8 ) Ich bin geneigt anzunehmen, dass das in gewissen Fällen nicht nur in Be- 
zug auf individuelle Eigentümlichkeiten gilt, sondern auch für Eigenschaften, welche 
als Art-, ja als Gattungs- und selbst als Familienmerkmale erscheinen. Als ein 
Beispiel der letzteren Art möchte ich die Plattfische (Pleuronectiden) nennen, welche 
die für die ganze Familie charakteristische Schiefheit des Kopfes augenscheinlich 
durch functionelle Anpassung während ihres postembryonalen Lebens erwerben. 
Es dürfte gewiss möglich sein, durch experimentelle Abänderung der Lebens- 
bedingungen die Ausbildung der Asymmetrie zu verhindern. Nach einer Mitteilung 
von H. F. Osborn („Alte und neue Probleme der Phylogenese", in: Ergebnisse 
d. Anat. u. Entw. Bd. 3: 1893 p. 611 ist es A. Agassiz wenigstens gelungen, 
eine Verzögerung herbeizuführen, dass „die jungen Fische, wenn sie länger, als 
den normalen Verhältnissen entspricht, an der Wasseroberfläche zurückgehalten 
werden, ihre ursprüngliche Symmetrie bewahren". Sollte diese Beobachtung, woran 
ich nicht zweifle, sich bestätigen, so würde sie zugleich beweisen, dass die 
erworbene Asymmetrie sich nicht vererbt, obwohl die Erwerbung durch 
ungeheuer zahlreiche Generationen bei jedem Individuum stattgefunden hat, da 



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